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1 % Regelung u. Fahrtenbuch
01.08.2008, 20:26
Beitrag: #1
1 % Regelung u. Fahrtenbuch
Hallo an Alle, bräuchte mal ein paar Meinungen von der "Gegenseite"

Sachverhalt: Nach Lohnsteueraußenprüfung wurden mangels Fahrtenbücher die Privatnutzung des Firmen-PKW für einen GmbH GF mit der 1% Regel nachversteuert.

Einspruch Euer Ehren. Begründung: Aufgrund tragischer Umstände und eigener Blödheit sind die Fahrtenbücher weg. Es wurde eine Aufstellung über durchgeführte Fahrten eingereicht und im Schätzungsweg ein Privatanteil ermittelt. Ich habe mir die Aufstellung und die Akten genauer angesehen. Danach hat die GmbH von Ihrerm GF ein Zimmer in seinem Einfamilienhaus gemietet. Von dort arbeitet der GF 4 Tage die Woche. Ein Tag fährt er in die GmbH. Das Problem: Der GF ist im Rahmen eines Auftrages außerdem 2 Jahre tagtäglich bei einer anderen Firma tätig gewesen (vermutlich stundenweise).

Ich habe nun im Rahmen der Verböserung angedroht, zusätzlich zur 1% Regelung nun noch die Fahrten zu der anderen Firma mit 0,03 % zu berücksichtigen, da er aufgrund der Häufigkeit des Aufsuchens dieser Firma dort eine regelmäßige Arbeitsstätte begründet hat.

Als Tätigkeit würde ich mal so sagen, er betreut Computersysteme bei Steuerberatern. Denn die meisten Auftraggeber sind Steuerberater.

Für mich ist die Rechtslage eindeutig. Nun bittet der Steuerberater um einen persönlichen Termin bei mir um unnötigen und zeitraubenden Schriftverkehr zu vermeiden. Der ist m.E. sowieso eine kleine Labertasche und denkt er kann mich einlullen. Ich hingegen sehe für ein persönliches Gespräch null Bedarf. Fahrtenbücher kann er nicht herbeireden und tagtägliche Fahrten zu einem Auftraggeber (war in der Zeit auch der einzige) deuten wohl auf eine regelmäßige Arbeitsstätte hin.

Wie seht ihr das? Hat der als Berater nichts zu tun oder warum will er bei einer so eindeutigen Sache den 30km Weg in mein Büro aus sich nehmen?

Wenn das Leben Dir Zitronen anbietet, frag nach Tequila und Salz und ruf' mich an!
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01.08.2008, 21:31
Beitrag: #2
RE: 1 % Regelung u. Fahrtenbuch
Naja, er versucht Schadensbegrenzung zu machen.

Aus aktuellem Anlass: Mehr Bretto vom Nutto!
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03.08.2008, 13:59
Beitrag: #3
RE: 1 % Regelung u. Fahrtenbuch
Warum kein Gespräch? Ich denke, das steht dem Steuerbürger zu. Vielleicht will er ja den Einspruch evtl. auch dann gleich zurücknehmen.Big Grin Es wäre m. E. kein guter Stil so ein persönliches Gespräch abzublocken. Freu Dich wenn Berater auch mal reagieren auf deine Schreiben.
Grüße
frankts
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03.08.2008, 16:14
Beitrag: #4
RE: 1 % Regelung u. Fahrtenbuch
warum ich eigentlich kein Gespräch möchte? Das kostet mich einen ganzen Vormittag für nichts. Die Rechtslage ist eindeutig-kein Fahrtenbuch= 1% Regel. Ich habe keinen Bock auf die ach so tragische Geschichte wie die Fahrtenbücher weggekommen sind. Märchenstunde war schon beim Lohnsteueraußenprüfer angesagt. Ich bin offen für persönliche Gespräche, da wo es Sinn macht. Hier macht es keinen, denn ich habe null Ermessensspielraum. Auch mein Chef sieht hier keinen Gesprächsbedarf. Für mich ist klar, dass der Berater und im schlimmsten Fall auch sein Madant nur kommen um bei mir auf die Tränendrüse zu drücken. Wir sind alle erwachsen genug, um zu wissen, dass dies keineswegs von Erfolg gekrönt sein wird.

Stil vom Berater wäre es gewesen, die Auflistung der Fahrten ordentlich zu prüfen, bevor er sie beim Finanzamt einreicht. Auch der Berater hätte den Knackpunkt mit der regelmäßigen Arbeitsstätte erkennen müssen. Das ist der zweite Fall in drei Monaten, wo ein Berater blindlings vom Mandanten erstellte Unterlagen einreicht und sich dies zu Ungunsten des Mandanten auswirkt.

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03.08.2008, 20:07
Beitrag: #5
RE: 1 % Regelung u. Fahrtenbuch
Ganz ehrlich, so ganz teile ich in diesem Fall deine Auffassung nicht. Irgendwo braucht der "gegner" auch ne Chance, auch wenn es für den Berater nur darum geht zu zeigen, dass er etwas tut. Und wenn die Rechtslage so klar, wird es auch keinen Vormittag dauern. Dass dir die Zeit abgeht, dass ist - so hart es klingt- der nachteil deines Jobs.
Trotzdem noch nen schönen Abend
frankts
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03.08.2008, 20:49
Beitrag: #6
RE: 1 % Regelung u. Fahrtenbuch
Ich werde die Woche mal anrufen und fragen, was er mir denn unbedingt persönlich mitteilen möchte und warum er es nicht einfach schreibt. Ich kann es ihm ja nicht verweigern zu kommen.Trotzdem werde ich bereits am Telefon duchklingen laasen, dass für mich kein Gesprächsbedarf besteht. Wenn er trotzdem meint zu kommen, dann wird es wahrlich eine sehr kurze Veranstaltung werden. Schade dann für ihn, denn er hätte seine Zeit dann weitaus besser nutzen können. Aber er kann (und wird) diesen (unnötigen) Besuch sicher teuer bei seinem Mandanten abrechnen.

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04.08.2008, 07:45 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.08.2008 07:46 von frankts.)
Beitrag: #7
RE: 1 % Regelung u. Fahrtenbuch
Hi Kiharu,
irgendwie kann ich mich des Eindruckes nicht erwahren, dass du einige Vorurteile gegenüber (manchen?) Steuerberatern hast. Ich denke wir tun auch manchmal Sachen, die nicht undingt gemacht werden um in bare Münze umgesetzt zu werden. Vielleicht solltest Du Dir vor Augen führen, dass unsere Auftraggeber die Mandenten sind und, wenn die etwas wollen, dann können die uns Aufträge erteilen, ob es unbedingt sinnvoll ist oder nicht. Ich z.B "darf" auch einen FG-Prozeß anzetteln, obwohl nicht bei rauskommen wird; mehr als den Mandanten auf die Sach- un Rechtslage hinweisen kann ich auch nicht.
frankts
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04.08.2008, 08:45
Beitrag: #8
RE: 1 % Regelung u. Fahrtenbuch
Vorurteile-nein, das würde ich nicht sagen. Aber ist es nicht auch Aufgabe eines Steuerberaters, den Mandanten realitätsnah zu beraten? Gehört dazu nicht auch, den Mandanten klar aufzuzeigen, was möglich ist und was eben sinnlos ist? So wie du schreibst, machst du das. Aber so wie DU sind eben nicht alle. Es gibt einige Berater (ja, nur einige, denn die große Masse der Steuerberater ist da anders), da werde ich das Gefühl nicht los, dass die bei ihren Mandantan einfach falsche Hoffnungen wecken und genau damit auch ihr Geld verdienen. Das wiederum widerstrebt mir unheimlich. Die Mandanten vertrauen ihrem Berater blind und ich als Finanzbeamtin sitze da und frage mich, was das wohl dem Mandanten kosten wird. Vielleicht hast du Recht und ich sollte mir darüber keine Gedanken machen. Am Ende bin ich sowieso immer die blöde Kuh. Ob für den Berater oder den Mandanten ist dabei völlig egal.

Was ich nicht verstehe, ist die Tatsachen, dass wenn mir (als Mandant) ein Berater erzählen würde, das Finanzamt hat Recht, das Gesetz ist nunmal so. Man könnte bei Gericht eine Klage anzetteln, die Erfolgsaussichten schätze ich allerdings als sehr gering ein, der Gerichtskostenvorschuss beträgt 220 € dazu kommt mein Honorar. Gibt es denn wirklich Mandanten, welche unter diesen Bedingungen einen entsprechenden Auftrag erteilen?

P.S. @ franks: Ich bedanke mich im Übrigen für Deine offenen Antworten.

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04.08.2008, 13:46
Beitrag: #9
RE: 1 % Regelung u. Fahrtenbuch
Hallo,

@frankts

Zitat:mehr als den Mandanten auf die Sach- un Rechtslage hinweisen kann ich auch nicht.

Doch!
Man kann den Auftrag ablehnen. Nur wer hat die Traute und riskiert dabei eventuell auch den Verlust des Mandats, wenn er einen absolut uneinsichtigen Mandanten hat?
Eleganter - er beauftragt einen Rechtsanwalt. Dann hat der im Zweifel den "Schwarzen Peter".

Es ist doch wohl auch eine Frage der Glaubwürdigkeit des Mandatsverhältnisses. Wenn ich als Berater nicht in der Lage bin meinen Mandanten vom Unsinn einer Handlung zu überzeugen, und der Mandant beharrt absolut auf die Durchführung des Unmöglichen, dann ist das Mandatsverhältnis gestört.
Kommt mir das als Berater öfter vor, dann habe ich ein echtes Persönlichkeitsproblem, weil mich meine Mandanten nicht ernst nehmen.


@Kiharu

In dieser Sache hier sähe ich auch keinen Beratungsbedarf. Daher würde ich auch versuchen mir diese Zeitverschwendung zu ersparen.
Allerdings gibt es doch einige Berater, die sind absolut unsicher bei allem, was mit dem Verfahrensrecht zu tun hat. Und daher resultieren auch die unsinnigsten Anträge und Einsprüche.
Der ein oder andere Berater versucht dann im persönlichen Gespräch einfach nur die Sache zu verstehen und gleichzeitig zu dokumentieren, dass er sich vollständig eingebracht hat, auch wenn im Ergebnis nichts für den Mandanten herumkommt.


Originalzitat eines Beraters (sinngemäß):
Ich habe in meinem Leben noch nie eine Klageschrift verfasst und ich werde auch nie eine Klageschrift verfassen. Das kostet Zeit und Geld und das verdiene ich mir lieber durch Beratung.
Wenn der Mandant klagen will, soll er zum Anwalt gehen, ich mache es nicht.

Jener Berater hat vielleicht zweimal im Jahr einen Einspruch verfasst, wenn der Mandant darauf gedrungen hat. Die Einspruchsführung war unter grauenhaft und ein mehr oder minder sinnfreies gestammel von Vorschriften und Paragrafen. Erfolg hatte er nur damit nur dann, wenn die Rechtslage ohnehin bereits für den Steuerpflichtigen entschieden war.

----------
Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch. -
George Bernard Shaw (1856-1950), Irischer Dramatiker und Satiriker
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05.08.2008, 15:13 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.08.2008 15:15 von Kiharu.)
Beitrag: #10
RE: 1 % Regelung u. Fahrtenbuch
So, habe nun heute den Berater angerufen und gefragt, wo denn sein Gesprächsbedarf liegt. Er meinte, er würde so ungern schreiben und man könne das doch persönlich alles besser bereden. Daraufhin teilte ich ihm mit, dass ich mich prinzipiell auch gern persönlich mit jemandem unterhalte aber Fahrtenbücher könne man ja nunmal nicht herbeireden. Insofern sei auch ein persönliches Gespräch nicht förderlich. Die Rechtslage sei nunmal so. Er beharrte weiter darauf, dass man den Privatanteil auch schätzen könnte und verwies auf alte FG Urteile (93, 95, 91 usw.). Ich teilte ihm mit, dass mich FG Urteile nicht sehr beeindrucken und im Übrigen seit VZ 96 eine andere Rechtslage herrsche. Das sähe er ja nun total anders.

Als er merkte, dass mich das nicht sonderbar beeindruckte, kam die meistgehasste Frage: Sagen Sie mal, haben Sie denn schon mal mit Ihrem Sachgebietsleiter über diesen Fall geredet? (Was denken sich eigentlich die Berater dabei???? Gehen die wirklich davon aus, dass mich sowas beeindruckt?)

Süffisant lächeln wies ich darauf hin, dass dieser Fall ob des geringen Streitwertes noch unter mein Zeichnungsrecht fällt aber falls es ihn beruhigen würde, ja, ich habe mit meinem SGL gesprochen und dieser teilt meine Ansicht.

Daraufhin war mein Gegenüber etwas kurz angebunden und meinte, dann müsse man wohl das Gericht darüber entscheiden lassen. Er wollte dies ja vermeiden, aber wenn ich mich so quer stelle, bleibt nur der Weg zum FG. Mein obligatorischer Hinweis auf solche Drohgebärden: Aber klar doch, ist ja ihr gutes Recht.

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